Marstallstraße 4
Dr. Ludwig Elsas wurde am 10. Mai 1893 in Ludwigsburg geboren. Er besuchte das humanistische Gymnasium und studierte dann Humanmedizin. Der Erste Weltkrieg unterbrach das Studium, er meldete sich als Freiwilliger. Als Volontärsassistent betreute er tuberkulosekranke Soldaten. 1920 schloss er das Studium ab und nahm eine Stellung im Sanatorium der württembergischen Reichsversicherungsanstalt an, wo er 1922 stellvertretender Direktor wurde. Im Oktober ließ er sich als Facharzt für Lungenkrankheiten in Ludwigsburg nieder, er war außerdem Vertrauensarzt und Gutachter. Im Juli 1933 wurde ihm von den Nazis die Kassenzulassung entzogen, 1938 untersagte man ihm jegliche ärztliche Tätigkeit. Damit verlor er 95 % seines Einkommens. Er arbeitete teils als Lagerist in der Textilfirma seines Vaters und bemühte sich um Unterlagen für eine Auswanderung. 1938 war er einen Monat lang im Konzentrationslager Welzheim in Haft. Im November 1941 wurde er von der Gestapo verhaftet und zur Sammelstelle Killesberg gebracht, von dort kam er mit 1.050 Juden aus Württemberg in das Lager Riga. Nach dem Krieg arbeitete er fast ein Jahr als Facharzt beim Gesundheitsamt Ludwigsburg. Er brachte sein Wissen über NS-Verbrechen in verschiedene Verfahren mit ein. Im September 1947 wanderte er zu seinem Bruder in die USA aus, wo er unter anderem als ärztlicher Helfer in einem Sanatorium arbeitete. Am 27. Januar 1949, noch nicht 56 Jahre alt, starb er in Dallas – offensichtlich hatte seine Gesundheit in den Jahren der Verfolgung zu sehr gelitten. Christian Rehmenklau